Forumstag Lautstärke

Regina Heinecke-Schmitt (m) und Dr. Rainulf Pippig (l) von der AG Discothekenlärm diskutieren mit den Teilnehmern des Forumstages. (ADMIN r)
Die verschiedenen Vorschriften, wie laut es auf einer Veranstaltung werden darf, sind im Forum verschiedentlich recht kontrovers diskutiert worden.

Um hier ein wenig Klarheit in die Angelegenheit zu bringen, vor allem aber, um mit den Verantwortlichen für eine neue Regelung frühzeitig das Gespräch zu suchen, wurde der Forumstag Lautstärke am Donnerstag, den 6. Mai in Bengen veranstaltet.

Zunächst hat der ADMIN die Teilnehmer mit Theorie versorgt:

Dann wurde anhand einer kleinen Simulation dargestellt, warum man Anlagen fliegen sollte.

Anschließend wurde vorgeführt, wie eine normgerechte Messung in der Praxis funktioniert (und dass der Abgleich nicht funktioniert, wenn man vorher links und rechts verwechselt...)
Zum Abschluss gab es dann eine Podiumsdiskussion mit zwei Vertretern der AG Discothekenlärm, mit der Vorsitzenden Regina Heinecke-Schmitt und Dr. Rainulf Pippig.

In einem einleitenden Referat hat Frau Heinecke-Schmitt zunächst dargelegt

  • dass bereits 25% der Jugendlichen Gehörschädigungen durch laute Musik aufweisen
  • dass Gehörschäden bei längerer Expositionsdauer schon vor Erreichen der Schmerzschwelle auftreten können
  • was bei Gehörschäden passiert
  • wie die Grenzwerte in anderen Staaten sind (bei verschiedenen Grenzwerten derjenige für Rockkonzerte, alle Werte Leq A)
    • Österreich 100 dB
    • Italien 95 dB
    • Schweden 100 dB
    • Frankreich 105 dB
    • Schweiz (demnächst) 100 dB

Herr Dr. Pippig würde gerne das Prinzip Eigenverantwortung stärken, weil nur der einzelne Bürger selbst wisse, welche Vorbelastung (Arbeit, Walkman, Häufigkeit von Konzert- und Discobesuchen) er mitbringe. Ihm müsse deshalb auf der Veranstaltung mitgeteilt werden, welcher Dosis er sich aussetze.

Dass das Thema im Laufe der Podiumsdiskussion auch vom Publikum sehr kontrovers diskutiert wurde, versteht sich angesichts des Themas wohl von selbst.

Ganz zum Schluss wurde dann noch ausprobiert, wie viel 99 dB Leq(A) denn nun tatsächlich sind.

Warum Anlagen fliegen?

Bei mittelgroßen Veranstaltungen mit ordentlicher, aber nicht übertriebener Lautstärke erreicht die PA in der Peaks etwa
140 dB, als Lmax etwa 130 dB und als Leq etwa 120 dB.

Dies würde bei einer konventionell gestackter Anlage (in grober Simulation) etwa die folgende Schallfeldverteilung geben:

Im roten Bereich treten Pegel größer 99 dB Leq auf, die anderen Farbabstufungen repräsentieren einen um jeweils 3dB gesunkenen Pegel. (Die Skalenstriche der X-Achse entsprechen 10m.)

Der Überschreitung des Grenzwertes kann nun mit einer Reduzierung des Pegels um etwa 20 dB begegnet werden:

Es ist wohl leicht erkennbar, dass es so nicht geht.

Fliegt man nun die Boxen in 6m Höhe und ergänzt einen Center-Cluster, dann kommt man zu der folgenden Schallfeldverteilung:

Im Vergleich zur konventionell gestackten Anlage hat der überwiegende Teil des Publikums denselben Pegel. Allerdings fehlen die Bereiche überhöhten Pegels direkt vor der Bühne, so dass dieses Setup grenzwertkonform ist.

(Das Simulationstool lässt sich unter www.dbmess.de herunterladen)